Raubkatzentatze
                         Anatomie des Gepards

Gähnender Gepard
Gepardenjungtiere
© Kirsten Stäber

Bis1900 war sich die Wissenschaft nicht einig, ob der Gepard in die Gruppe der Hundeartigen oder der Katzenartigen einzustufen sei und sprach deshalb von "Cynailurus", der Hundskatze. Katzenartig sind beim Gepard der Schwanz und der Kopf. Hundeartig dagegen der sehr schlanke Körperbau, die Windhund-Taille, und die nicht einziehbaren Krallen. Schließlich entschied sich die Wissenschaft den Gepard in die Familie der Katzen einzustufen - die so genannten Felidae - die zur Überfamilie der Katzenartigen gehört und in Großkatzen und Kleinkatzen unterteilt ist. Der Gepard zählt hierbei zu den Kleinkatzen, da er nicht brüllen kann. Eine Besonderheit des Kehlkopfes und ein verknöchertes Zungenbein, welches die Zunge mit dem Schädel verbindet, verhindern bei den Kleinkatzen Brülllaute. Dafür schnurren Kleinkatzen beim Ein- und Ausatmen.

Gewicht & Größe eines Geparden

Der Gepard erreicht eine Laufgeschwindigkeit von b
© Matthias-Alexander Braun/AGA

Größe und Gewicht eines Gepards variieren leicht, je nach Lebensraum. Geparden-Kater wiegen zwischen 50 bis 60 kg. Das Gewicht einer Gepardin liegt zwischen 35 bis 45 kg.

Die Kopf - Rumpf - Länge der Raubkatze bewegt sich zwischen 0.90 m bis 1.50 m, der Schwanz ist ungefähr 0.80 m lang.

Die Schulterhöhe männlicher Geparden beträgt etwa um die 0.80 m. Die Katzen sind mit einer Schulterhöhe um die 0.60 m etwas kleiner als die männlichen Geparde. Auch innerhalb der Populationen gibt es Größenunterschiede. Die Geparde nordwestlich der Sahara sind kleiner und schmächtiger als die übrige Gepardenpopulation.

Körper & Muskeln

Geparde sind sehr schlanke, hochbeinige Tiere mit
© Kirsten Stäber

Die hochbeinige Raubkatze besitzt einen sehr schlanken Körper ohne Fettreserven, mit einer Windhund -Taille, leichten Knochen und einer geringen Muskelmasse. Das verkümmerte Schlüsselbein, welches eigentlich nur noch aus einem kleinen Knochen besteht, ist von Muskeln umgeben, was den Schultergürtel stärkt, ihn elastisch hält und die Bewegungsdynamik enorm erhöht. Der Hüftgürtel und die Schulterblätter sind nur durch Bänder und Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, die in ca. 60 % der Muskelmasse eingebettet ist, was die enorme Flexibilität der Wirbelsäule erklärt. Die Wirbelsäule ist extrem elastisch und biegt sich beim Laufen nach oben und unten, um den Beinen viel Bewegungsspielraum zu bieten. Der Brustkorb ist tiefliegend.

Gepard beim Sprint, seine Schrittlänge betr&#
©Tierpark Nadermann /Thomas Finke

Verlängerte Achillessehnen ermöglichen eine perfekte Abfederung beim Sprint. Die Krallen sind ausgefahren, weshalb der Gepard bei schnellen Sprints nicht wegrutscht. Der Schwanz dient als Steuerruder und kann auch bei waghalsigen Wendemanövern der Beute sofort gegensteuern. Dieser perfekte Körperbau des Geparden erlaubt der großen Katze die hohen Jagdgeschwindigkeiten von über 100 km/h. Mit einer Schrittlänge von  7 bis 8 m gehört der Gepard zu den rennenden und springenden Raubtieren. Beim Sprint legt der Gepard pro Sekunde circa 25 m zurück. Die Bewegungen des Gepards sind sehr graziös.

Innere Organe

Die Körpertemperatur des Gepard liegt bei 38,
© Kirsten Stäber

Das Herz des Gepards ist klein, aber sehr leistungsstark. Lungen, Bronchien, Leber und die Nebennieren sind dagegen stark vergrößert. Die Körpertemperatur  des Gepards liegt bei 38,5° C. Während der Jagd steigt die Körpertemperatur  jedoch an, auf 40° C. In Ruhezeiten hat der Gepard eine Atmung von etwa 60 Atemzügen pro Minute. Während der Jagd steigen die Atemzüge bis auf 140 pro Minute. Nach einer Jagd benötigt der Gepard circa 15 bis 20 Minuten um sich wieder zu aklimatisieren.

Augen & Nase & Ohren

Zwei junge Geparden ruhen sich aus
© Alf Drosdziok

Der Gepard hat im Verhältnis zur Rumpfgröße einen relativ kleinen Kopf. Beim Putzen kann der Gepard seinen Kopf um bis zu 180° drehen. Seine bernsteinfarbenen Augen sind groß und rund. Beide Augen sind nach vorn gerichtet für ein optimales räumliches Sehen, welches das sichere Abschätzen von Entfernungen ermöglicht. Der Gepard kann bis zu einer Entfernung von 5 km hervorragend sehen und die Beutetiere scharf erkennen. Die beidseitigen schwarzen Tränenstreifen, die sich vom Auge bis zu den Mundwinkel ziehen, sind nicht nur zur Zierde da, sondern ermöglichen dem Tagjäger eine optimale Lichtabsorption. Ob Raubkatzen farbig oder nur schwarz-weiß sehen, liegt noch im Unklaren. Beidseitig der Schnauze und über den Augen sitzen lange Tasthaare, auch Schnurrhaare genannt. Die Spitzen der Tasthaare sind mit sensiblen Nerven ausgestattet und verhindern, dass die Raubkatze im Dunkeln irgendwo gegen läuft.

 

 

Zahmer Gepard mit Halsband liegt im Gras
© Kirsten Stäber

Die Nase ist zwar relativ klein, doch sind die Nasengänge erheblich verbreitert, um die erhöhte Sauerstoffaufnahme während der Jagd und eine rasche Akklimatisierung nach der Jagd zu gewährleisten. Und obwohl der Gepard sich nicht an Gerüchen orientiert, ist sein Geruchssinn exzellent ausgebildet. Nahe Gerüche nimmt der Gepard beim Einatmen durch die Nase auf. Neugeborene Geparde mit noch geschlossenen Augen identifizieren ihre Mutter und die Trinkzitzen am Geruch. Entfernte Gerüche werden mittels des Jakobson-Organs, eine mit sensorischen Gewebezellen ausgestattete Schleimhauttasche, welche am Gaumen sitzt, bei geöffnetem Maul über die Luft aufgenommen. Diese eigenartige Geruchsaufnahme wird als Flehmen bezeichnet. Während sich das Maul öffnet, kneift der Gepard die Augen leicht zusammen, wobei sich Nasenrücken und Stirn sanft kräuseln. Der Kopf neigt sich leicht nach hinten, die Lippen drücken gegen das Zahnfleisch, während sich die Zungenspitze leicht über die Lippen schiebt. Das Flehmen ist besonders gut bei paarungsbereiten Geparden zu beobachten. Die Lockduftstoffe des anderen Geschlechts werden beim Einatmen zum Jakobson-Organ geleitet und können gerochen sowie auch geschmeckt werden.

Geparde haben runde Ohren
© Kirsten Stäber

Die Ohren des Gepards sind klein und abgerundet, doch sein Hörvermögen ist hoch entwickelt. Hohe Töne nimmt er besser wahr als tiefe Töne. Katzen haben das beste Gehör aller Säugetiere. Muskeldurchsetzte Ohrmuscheln ermöglichen dem Gepard, seine Ohren weit zur Seite zu drehen und jedes auch noch so leise Geräusch, wie das Krabbeln eines Käfers auf einem Grashalm, genauestens zu orten. Das Trommelfell leitet Geräusche über die Nerven der Innenohrschnecke direkt ans Gehirn.

Gebiss & Zunge

 Gähnender Gepard
© Kirsten Stäber

Unter den Raubkatzen hat der Gepard das kleinste Gebiss. Deshalb tötet er seine Beute auch nicht durch den klassischen Genickbiss, sondern durch das Zudrücken des Kehlkopfes, was für die Beute den Erstickungstod zur Folge hat.  Weiterhin bemerkenswert ist, dass Geparde ihre Nahrung sehr schnell verdauen. Das Gepardengebiss besteht aus 30  Zähnen. Ober- und Unterkiefer sind durch ein Gelenk miteinander verbunden. Die Kiefer können allerdings nicht seitlich, sondern nur auf und ab bewegt werden. Somit frisst eine Raubkatze seitlich mit den Backenzähnen, welche jedoch nicht der Nahrungszerkleinerung dienen. Im Oberkiefer des Geparden sitzen 16 Zähne, unterteilt in:  6  Schneidezähne, 2 Fangzähne, 6 Vorbackenzähneund 2 Backenzähne. Im Unterkiefer hat der Gepard nur 14 Zähne, unterteilt in: 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 4 Vorbackenzähne und 2 Backenzähne. 

 

Gepard Gebiss
© Kirsten Stäber

Der Gepard hat einen kurzen Kiefer mit einer kräftigen Gebissmuskulatur, insbesondere im hinteren Kieferbereich. Die Schneidezähne dienen dem Gepard zum Abnagen von Fleischresten am Knochen des Beutetieres. Mit den leicht nach innen gebogenen messerscharfen Fangzähnen packt der Gepard seine Beute an der Kehle, drückt diese fest zu, so dass das Beutetier erstickt. Mit den Backenzähnen, auch Reißzähne genannt, reißt der Gepard die Fleischstücke aus seinem Opfer heraus und verschlingt diese ohne sie zu zerkauen.

Der Gepard hat eine raue Zunge
© Kirsten Stäber

Die Zunge des Gepards hat eine raue Oberfläche, hervorgerufen durch kleine Haken auf der Zunge, welche nach hinten, Richtung Rachen, geneigt sind. Die raue Zunge ist dem Abschaben von Fleischresten an den Beuteknochen dienlich und eignet sich auch hervorragend zur Fellpflege, zum abkämmen loser Haare. Ebenfalls auf der Zunge, vorne und seitlich, sitzen die Geschmackspapillen. Der Gepard schmeckt sauer, bitter und salzig. Zum Wassertrinken rollte der Gepard seine Zungenspitze leicht zusammen und löffelt die Flüssigkeit in sein Maul.

Pfoten & Krallen

Gepardenpfote, Krallen
© Stefanie Maurer

Gepardenpfoten sind schmal und haben raue schwarze Fußsohlen. Unter jeder Pfote befinden sich 4 Zehenballen, 1 Pfotenballen sowie etwas höher angesetzt 1 Karpalballen. Wie alle Raubkatzen ist auch der Gepard ein  Zehengänger, der sich nicht auf der ganzen Pfote fortbewegt. Dieses garantiert der großen Katze ein leises unbemerktes Anschleichen an die Beute. Die Zehenglieder der Gepardenvorderpfoten sind mit 5 nicht einziehbaren Krallen bestückt, in den Hinterläufen befinden sich 4 nicht einziehbare Krallen. 

Fangkralle eines Geparden
© Kirsten Stäber

Da die Gepardenkrallen nur zum Teil mit einer Haut umgeben sind, kann der gepard sie nicht einziehen. Seine Krallen sind dadurch sehr stumpf, was sich sehr gut an  Fußabdrücken im Sand ersehen lässt. Die oberste Kralle der Vorderpfoten ist länger als die anderen und dient als Waffe, sozusagen zum „Entern“ der Beute. Bedingt durch die stumpfen Krallen können Geparde nicht gut klettern.

Fell & Pflege

Gepardenfell
©Kirsten Stäber

Das Fell des Gepards ist stumpf und kurz, von orangegelblichbrauner Farbe, versehen mit vielen schwarzen unregelmäßigen Tupfen, die etwa 2 bis 4 cm im Durchmesser und weich sind. Im Bauchbereich ist das Fell cremfarben. Hals und Schultern sind etwas dichter behaart. Der Schwanz ist gepunktet. Zum Ende hin zieren 4 bis 6 schwarze Ringe den Schwanz, die Schwanzspitze ist jedoch weiss. Das Gesicht ist ungefleckt, trägt dafür zwei schwarze Gesichtsstreifen, von den Augen bis zu den Mundwinkeln. Hinter den Ohren zeichnet sich jeweils ein schwarzer Fleck ab, welcher aussieht wie ein Auge.

Gepardenjungtier weiblich 3 Monate
© Kirsten Stäber

Das Fell des Gepards erneuert sich ständig. Abgestorbene Haare fallen aus, neue Haare sprießen nach. Die Haare wachsen aus Follikeln, die in der Lederhaut platziert sind. Neben den Follikeln sitzen die Talgdrüsen, welche einen natürlichen ölhaltigen Schutzfilm für die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht, und die Haare produzieren. Der Talg enthält zudem eine Substanz, welche durch Sonnenlicht in Vitamin D umgewandelt wird. Der Gepard schwitzt nicht am Körper, sondern nur unter den Pfoten. Ist ihm zu heiß hechelt er bei weit geöffnetem Maul und leckt unter seinen Pfoten die Ballen ab, um durch deren Kühlung seine Körpertemperatur zu regulieren.

Gepardenbaby wird von der Mutter geputzt
© Kirsten Stäber

Ausgiebige Fellpflege ist der Raubkatze sehr wichtig. Die raue Zunge eignet sich dabei vorzüglich als Kamm. Begonnen wird die Körperpflege meist im Gesicht. Der Gepard benässt die Innenseite der Vorderpfote durch mehrmaliges Ablecken mit Speichel. Die feuchte Pfote wischt über Augen, Nase und Ohren, wobei die Pfote zwischendurch immer wieder neu mit Speichel benässt wird. Diese Prozedur wiederholt sich so lange, bis der Gepard sein Gesicht als sauber empfindet. Es folgt eine gründliche Reinigung des Körpers. Dank einer biegsamen Wirbelsäule kann die Gepardenzunge fast jede Körperstelle erreichen um das Fell von Schmutz, Staub und Parasiten zu befreien. Die beim Putzen verschluckten Haare werden von Zeit zu Zeit als Wulst wieder ausgewürgt.  Um die verschluckten Haare zu binden, fressen Raubkatzen Gras. Verkrusteter Schmutz unter den Pfoten und zwischen den Zehen wird mit Hilfe der Zähne entfernt.

Fortpflanzung der Geparden

 Gepardenpärchen
© Kirsten Stäber

Durch die bisherige Annahme, Geparden seinen vor circa 10.000 Jahren durch einen genetischen Flaschenhals gegangen, schlussfolgerte die Forschung, das die Raubkatzen durch die genetische Verarmung ein äußerst schwaches Immunsystem haben, wesentlich anfälliger für Krankheiten sind als andere Raubkatzen und sich zudem sehr schlecht fortpflanzen. Dieses wurde in Studien des Leibniz- Institut, Berlin, und der Vetmeduni Wien, 2011  widerlegt. Die Trennung erfolgte bereits vor etwa 30.000 bis 70.000 Jahren und die heute lebende Gepardenpopulation beruht keineswegs auf Inzucht, sondern alle Gepardenunterarten weisen eine unterschiedliche leichte Gen-Diversität vor. Die Männchen haben zwar schlechte Spermien, was für die Fortpflanzung aber keineswegs hinderlich ist, wie man an der Namibischen Gepardenpopulation festgestellt. Geparden haben eine ähnliche genetische Vielfalt wie Leoparden und sogar eine höhere als die von Tigern. Einige Primaten und sogar der Mensch haben eine noch schlechtere Spermienqualität.

 

 

 

 

Alter eines Geparden

Geparde erreichen ein Alter bis zu 15 Jahren
© Kirsten Stäber

Geparden werden in freier Wildbahn 10 bis 15 Jahre alt. In Gefangenschaft können Geparde durchaus auch ein höheres Alter erreichen. Ein Gepard auf der Wildtierfarm Harnas in Namibia, feierte seinen 26 Geburtstag und ist somit wohl der älteste Gepard der Erde.

                                                                                                                                     Lebensraum  Gepard >>

© 2010 - 2016 by gepardenwelt