Fortpflanzung der Geparden

Gepardenweibchen werden mit 20 bis 24 Monaten geschlechtsreif, Gepardenmännchen dagegen erst mit 3 Jahren. Die Weibchen paaren sich nur alle 2 bis 3 Jahre, nachdem der zuvor großgezogene Nachwuchs die Mutter verlassen hat. Die Raubkatzen leben als Einzelgänger. Kater und Katze treffen nur während der circa sechstägigen Paarungszeit enger aufeinander. Die Paarung ist jahresunabhängig. Nachkommen können somit in jeder Jahreszeit ausgetragen und geboren werden.

Gepard auf einem Markierungsbaum
© CCF/AGA

Durch Urinmarkierungen an bestimmten Baumstämmen - den so genannten Markierungsbäumen - zeigt das Weibchen ihre Paarungsbereitschaft an. Rollige Weibchen scheiden mit dem Urin besondere Sexualhormone aus, deren Duftstoffe die Kater anlocken. Diese Baumduftmarkierung verflüchtigt sich erst nach 24 Stunden. Während der Rolligkeit reibt die Katze auch ihren Kopf an Baumstämmen und Sträuchern, denn an Kopf und Kinn sitzen Duftdrüsen, welche ebenfalls Duftstoffe absondern.

Paarungsbereiter Kater
© Kirsten Stäber

Nähert sich ein paarungsbereiter Kater, rollt sich die Katze zunächst auf dem Boden umher, springt dann abrupt auf und reckt dem Kater ihr Hinterteil einladend in die Höhe, um ihn zur Paarung zu animieren. Der Lebensraum eines Gepardenweibchens überschneidet sich mit dem mehrerer Männchen. Um die Gunst einer paarungsbereiten Gepardin buhlt also nicht nur ein Kater. Eine Gepardin ist jedoch sehr wählerisch, was den Partner anbelangt. Sie paart sich nicht mit jedem Kater. Gefallen ihr jedoch mehrere Kandidaten, paart sie die Gepardin auch gerne mit mehreren Katern.

Während der Paarungszeit bleiben Männchen und Weibchen nahe beieinander. Das Vorspiel der Geparde besteht aus gegenseitigem Beschnuppern, zärtlichem Köpfchenreiben und gegenseitigem Ablecken. Aber auch kurze spielerische Kämpfe gehören zum Paarungsritual, bei welchem das Weibchen auch mal kräftige Pfotenhiebe austeilt.

Junger Gepard 3 Monate alt
© Kirsten Stäber

Der Paarungsakt selbst dauert nur wenige Minuten. Während der Ejakulation beißt der Kater der leise knurrenden Katze in den Nacken. An seiner Penisspitze befinden sich kleine Hornspitzen, welche zusammen mit dem Nackenbiss den Eisprung auslösen, jedoch für die Katze schmerzhaft sind. Nach dem Liebesakt faucht die Gepardin aufgebracht und schlägt mit der Tatze nach ihrem Liebhaber. Anschließend rollt sich die Gepardin zufrieden auf dem Boden hin und her, bevor sie in einen leichten Dämmerschlaf fällt. Der Kater liegt dicht neben ihr. Alle 15 bis 30 Minuten findet mindestens ein Paarungsakt statt. Die häufige Vereinigung erhöht die Chance auf einen Eisprung und somit die Hoffnung auf Nachwuchs. Nach einer Tragzeit von 90 bis 95 Tagen bringt die Gepardin in der Regel 2 bis 6 Junge zur Welt. Die Kater beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Sobald der Nachwuchs im Alter von 18 Monaten die Mutter verlässt, wird diese meist schnell wieder trächtig.

Weibchen in freier Natur gebären sehr früh und häufiger als Weibchen in Gefangenschaft. Je früher eine Katze trächtig wird, desto stärker bilden sich ihre Fortpflanzungsorgane aus. Bei Weibchen, die bis zum 4. Lebensjahr noch keinen Nachwuchs geboren haben, meist weil sie in einem unruhigen Umfeld leben, beginnen die inneren Fortpflanzungsorgane bereits zu verkümmern oder weisen Erkrankungen auf.  Zudem ist die Katze sehr wählerisch, was den Partner anbelangt. Sie paart sich nicht mit jedem Kater,sondern erwartet erst einmal eine Auswahl potenzieller Väter, unter denen sie sich ihren Favoriten aussucht. 

Gepardenjungtier
© Pia von Steegen

Der Fortpflanzungserfolg der Weibchen hängt also stark von den äußeren Umständen ab und hat nichts mit geringer genetischer Variabilität zu tun. Dies belegen neueste Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts Berlin. Untersucht wurden Geparden in Namibia. Mit hochauflösenden Ultraschallgeräten wurden die inneren Fortpflanzungsorgane der Gepardenweibchen untersucht. Alle Weibchen waren entweder im Zyklus, empfängnisbereit, trächtig oder sie stillten ihren Nachwuchs. Sobald in Freiheit lebende Gepardenweibchen das geschlechtsreife Alter erreichen, beginnen sie sich fortzupflanzen.

Gepardenmännchen
© Kirsten Stäber

Gepardenmännchen haben zwar schlechte Spermien, was für die Fortpflanzung jedoch keineswegs hinderlich ist, wie man an der namibischen Gepardenpopulation feststellen kann. Einige Primaten und sogar der Mensch haben eine noch schlechtere Spermienqualität. Zoogeparden hingegen leben in einem unruhigen Umfeld und können nicht, wie in der Natur, zwischen mehreren Paarungskandidaten wählen. Vermutlich ist die Fortpflanzung in den Zoos deshalb so schwierig. Ebenso wenig sollten Zoo-Geparden in der Nähe anderer Raubkatzen wie Löwen oder Leoparden  gehalten werden.


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